Desktop- oder Web-Anwendung – was ist besser?

Bei einem neuen Projekt oder einer entscheidenden Weiterentwicklung einer Anwendung steht man als Auftraggeber häufig vor der Frage, was denn nun die bessere Wahl ist: eine Desktop-Anwendung, die auf jedem Arbeitsplatz installiert läuft und vielleicht mit einem Server kommuniziert. Oder eine Web-Anwendung, die auf einem eigenen Web-Server oder sogar in der “Cloud” gehostet wird?

Diese Entscheidung bedarf einer Vielzahl von Abwägungen. Und gleich vorweg: es gibt keine pauschale Antwort, dass das eine immer besser als das andere sei. Im Folgenden möchte ich daher kurz die Vor- und Nachteile beider Anwendungsformen darstellen, so dass die technischen Unterschiede deutlich werden.

Desktop-Anwendung – “Old School”, “von gestern” oder doch zukunftsträchtig?

Desktop-Anwendungen sind der Klassiker. Wir kennen, lieben und hassen sie alle. Seien es die Microsoft-Office-Anwendungen oder auch Warenwirtschaftsprogramme. Natürlich auch die ganzen anderen Produktivwerkzeuge wie Bildbearbeitung, Musikplayer und so weiter. Sie bestimmen zu einem großen Teil unser heutiges Verständnis von Software. So haben wir sie kennengelernt. Die Vorteile von Desktop-Anwendungen liegen auf der Hand: man hat sie lokal installiert, man braucht keine Internet-Verbindung und deshalb sind sie auch recht schnell und sehr tolerant gegen lahme Netzverbindungen. Und wir können unsere Daten (Word- und Excel-Dateien zum Beispiel) lokal speichern. Kurzum: man hat nahezu die vollständige Kontrolle über seine Anwendung und die Daten.

Daraus ergeben sich aber auch die Nachteile: wir müssen die Anwendungen regelmäßig aktualisieren und natürlich unsere Daten sichern. Müssen müssen wir nicht, aber es nicht zu tun, kann fatale Folgen haben. Dies setzt ein Grundverständnis von Computern und ihren Eigenschaften voraus. Natürlich haben die meisten PC-Anwender dies häufig aus schmerzvoller Erfahrung selbst gelernt. Aber dennoch sind diese Tätigkeiten zeitaufwändig und damit ungeliebt. Und sie werden schnell vergessen.

Web-Anwendungen – immer und überall Zugriff auf die Daten

Dieses Manko wollen Web-Anwendungen beseitigen: durch die zentrale Speicherung und die Ausführung der Anwendung im Web-Browser ist keine Installation mehr notwendig. Die Anwendung wird quasi bei jedem Start komplett neu geladen und ist daher immer aktuell. Keine Updates sind mehr notwendig. Auch die Speicherung der Daten in der Cloud erfolgt für den Anwender vollkommen transparent. Sie sind immer verfügbar. Kein Ausfall oder Diebstahl einer Festplatte muss befürchtet werden. Darüber hinaus kann man in der Regel mit jedem internetfähigen Endgerät (neben dem PC auch Smartphones und Tablets) auf die Anwendung zugreifen und damit arbeiten. Das ist extrem praktisch und komfortabel, kommt aber zum Preis eines gewissen Kontrollverlustes. Man weiß nicht mehr, wo die Daten gespeichert werden. Und man kann nicht eine bestimmte Anwendungsversion “einfrieren”. Kommt eine neue Version, dann kommt sie. Als Anwender hat man leider nur selten die Möglichkeit, die alte Version zu behalten. Man muss also immer mit der neuen Version einer Anwendung arbeiten, ob man möchte oder nicht. Und wenn man keinen (schnellen) Internetzugang mal zur Verfügung hat, dann sieht es auch schlecht mit dem Nutzen von Web-Anwendungen aus.

Jedes Projekt individuell betrachten und zukunftsoffen konzipieren

Jede Form der Anwendungsentwicklung hat ihre Vor- und Nachteile. Die vorgenannten sind nur einige, es gibt noch eine Vielzahl weiterer Argumente für und wider den einen oder anderen Ansatz. Man muss daher in jedem Einzelfall genau abwägen, welche Ziele man mit der Anwendung verfolgt. Und dann die entsprechende technische Basis wählen: Desktop oder Cloud. Vielleicht ist auch eine Kombination beider Technologien der beste Weg für Sie? Warum nicht zunächst eine Desktop-Anwendung mit der Cloud verbinden und später vielleicht eine vollständige Umstellung oder einen Parallelbetrieb einführen? Man sollte sich diese Optionen offen lassen, denn gerade durch diese neuen Technologien entwickeln sich auch neue Anforderungen vom Markt und natürlich von den Anwendern, auf die man reagieren können sollte. Eine offene Anwendungskonzeption kann dies im Blick behalten und später abbilden. Ohne eine erneute Neuentwicklung erforderlich zu machen.

Über Olaf Kehrer

Olaf Kehrer ist Geschäftsführer der O&O Services GmbH und Ihr erster Ansprechpartner für Ihr Projekt. Nach der Gründung der O&O Software GmbH im Jahre 1997 hat er selbst maßgeblich an der Entwicklung von O&O Produkten mitgewirkt.

Comments are closed.